Verpfiffen

Ach ne, Fußball. Jetzt auch noch als Thema hier. Aber wenn’s doch so aufregend ist … Gleich mal ganz hoch ins Regal gegriffen, nämlich die schnöde Bundesliga. Ja, genau die Liga, wo meine Kinder bisher nur einen Sieger kennen. Öde. Langweilig. Kein Wettbewerb. Wegkauf der besten Spieler von denjenigen Klubs, die es doch mal schaffen, in Schlagweite zu kommen. Zuletzt gleich zwei Spieler plus Trainer auf einen Schlag vom härtesten Konkurrenten abgeworben. Nun ja, ist halt irgendwie auch nur Kapitalismus. Wobei: Ist ja ein Verein, oder? Da ging es neulich auf der MV ja auch ordentlich sachlich zu 🙂

Schlimmer als dieser geldbasierte Nicht-Konkurrenzkampf ist allerdings, das alte Schiedsrichter-Seilschaften hier offenbar noch kräftig mitmischen. Herr Zwayer, Protegé der alten, selbstherrlichen Garde, hat also mal wieder ein Bayern-Spiel nicht zu deren Ungunsten verpfiffen. Wir erinnern kurz: DFB-Pokal 2017. Blutgrätsche von Vidal, kein Elfmeter, nichtmal eine Karte, fragwürdiges Gelb-Rot für Keita, schön nachzulesen hier:

https://www.spiegel.de/sport/fussball/fc-bayern-siegt-im-dfb-pokal-bei-rb-leipzig-mit-zwayerlei-mass-a-1174761.html

Auch damals war schon der Kalauer vom „zwayerlei Maß“ gebräuchlich, den der Dortmunder Trainer jüngst in seiner verständlichen Wut wieder aufgriff. Also dieser Typ, dessen Mitbelastung in der Hoyzer-Affäre vom DFB, so liest man heute, wenigstens wissentlich vertuscht wurde, der Bayern schon mal verpfiffen hat, wird hier eingesetzt. Und siehe da, mindestens zweimal komplett daneben entschieden. Und beim unglücklichen Zusammenprall von Brandt mit einem Bayernspieler, den ersterer benommen zu Boden sinken ließ, hob er noch zunächst den Arm für einen Bayernfreistoß.

Alles irgendwie wie früher: Wenn der BFC ins Dynamo-Stadion kam, wurde genau das regelmäßig erwartet.

(Nachtrag ein paar Wochen später: Das wird ja immer seltsamer. Am 30.12.21 informiert der DFB, Herrn Zwayer vorerst nicht mehr Spielen des BVB einzusetzen. Als ob der BVB das Problem wäre! Wie aus der unzweideutigen Parallele zum RB-Spiel klar erkennbar, geht es hier um die Bayern. Seine Nicht-Ansetzungen bei deren Spielen wäre daher die einzig richtige Entscheidung gewesen.

So, und sei es damit nicht genug: Nur wenige Tage noch obiger Entscheidung teilt der DFB am 09.01.22 mit, Herr Zwayer sei „bis auf weiteres nicht aktiv“. Wer das entschieden hat, bleibt selbstredend offen. Wenn der Oberförster, Entschuldigung, Oberschiedsrichter Fröhlich mitteilt, Zwayer wolle mental wieder zu sich kommen, klingt das erstens nach einer freiwilligen Ruhepause und schiebt zweitens mal wieder indirekt die Schuld Richtung BVB. Beides darf grundlegend bezweifelt werden. Es scheint eher, dass der DFB hier nach einer Möglichkeit gesucht hat, die Sache möglichst geräuschlos aus dem Weg zu schaffen. Das sportschau.de das nicht checkt und einfach blind übernimmt, ist auch nicht gerade ein Zeichen von engagiertem Journalismus.)

This article was written by st